Reiseblog
Mit der vietnamesischen Eisenbahn geht's nach vier Wochen zurück nach Ho-Chi-Minh-City. Wir wären gerne noch zwei weitere Wochen geblieben und hätten uns dann den Norden Vietnams angesehen, dazu reicht jedoch die Zeit nicht mehr.
Für die Rückreise wollen wir unbedingt die hiesige Eisenbahn ausprobieren. In Phan Thiet geht der Zug ab, und weil wir schon wieder von oben bis unten nass sind, setzen wir uns in den einfahrenden Zug, der erst in einer halben Stunde abfährt und genießen die Kühle der Klimaanlage.


Als wir Ho-Chi-Minh-City erreichen, kommt schon etwas Wehmut auf, weil wir zurück nach Deutschland müssen. Das Hotel in der Nähe des Flughafens spendet mit seinem unerwarteten Retrocharme ein wenig Trost. Hier stammt alles aus den Siebzigern: die Eierschalensessel, die Blubbersäulen und die hemmungslose Kombination schriller Farben wirken auf uns, als hätte das Ganze ein Hippie auf Trip eingerichtet. Cool!

Vietnam verlassen wir mit ambivalenten Gefühlen. Im Vergleich zu Asien wirken Europas Metropolen alt und winzig. Den Eurozentrismus lassen wir als Überbleibsel kolonialistischer Arroganz für immer hinter uns. Die Zukunft der Menschheit spielt sich zunehmend in Asien ab ...
Gleichzeitig sehen wir enorme Probleme, die diese schnell wachsende Gesellschaft hat. Da ist zum einen der Müll. Hier wird ALLES ohne Scheu einfach auf den Boden geworfen. Das ist in ganz Südostasien so, das ein Problem mit Plastikmüll hat, aber Vietnam schießt eindeutig den Vogel ab. Zwischen bunt beleuchteten Hochhäusern mit riesigen LED-Werbetafeln watet man durch Dreck und Berge von Plastikmüll. Da das Wasser aus dem Hahn nicht trinkbar ist, findet man vor allem Plastikflaschen, die die Gegend verschandeln.
Niemanden stört das! Als Heiko aus einem Bus aussteigt und einen Mülleimer für seine Coladose sucht, nimmt diese der freundliche Busfahrer an sich und wirft sie vor uns lachend auf den Boden. Uns entsetzt diese Ignoranz und wir fragen uns, wann das Müllproblem hier eskaliert.
Zum anderen ist es der unverblümte Kapitalismus in Vietnam. Es gibt zwar - wie in China - als Überbleibsel früherer Zeiten die regierende stalinistische Partei. Die Wirtschaft jedoch ist florierend kapitalistisch, nur eben ohne politische Opposition, gesamtgesellschaftliche Verantwortung für sozial Schwache oder freie Gewerkschaften. Während in Europa Reichtum eher dezent gelebt wird, wird er hier in Vietnam protzend zur Schau gestellt. Direkt neben verfallenden Mietshäusern, Bettlern oder alten Menschen, die im Müll etwas Essbares suchen, fahren dicke Limousinen vorbei oder finden glitzernde Events für die Mächtigen statt. Die allgegenwärtige Werbung für die Partei wirkt hier befremdlich. Wir bekommen das nicht zusammen!


Auf der anderen Seite bleibt ein tiefes Gefühl der Zuneigung zu den Menschen, die wir hier kennengelernt haben. Sei es die manchmal etwas zwanghaft wirkende Freundlichkeit der Thais, die kindlich anmutende Herzlichkeit der Menschen Kambodschas oder die eher schnodderige Art der Vietnamesen - herzlich und hilfsbereit waren sie alle. Wir nehmen diese Freundlichkeit gegenüber den Fremden mit - da kann man noch was lernen!


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